Mitgift – Subway to Sally

Mitgift – Subway to Sally

Kaum ein Album habe ich so sehnsüchtig erwartet, wie dieses. Alles, was ich also jetzt sage, ist immer subjektiv von meiner Geschichte mit dieser Band geprägt. Bastard war damals (2007 – ich war gerade mal 12!) mein erstes Album, das ich am Erscheinungstag gekauft habe, im gleichen Jahr war ich auf der Bastard-Tour auf meinem ersten echten Rockkonzert und seit 2010 gehe ich jährlich zur Eisheiligen Nacht nach Gießen – und jedes Mal singe ich das gesamte Set der Band mit. Müsste ich eine Lieblingsband nennen – was ich nicht kann – wäre die Band sicherlich in der engeren Auswahl.

Mit Mitgift hat die Band ihren Zweijahreszyklus, in dem sie seit 1999 beständig Alben veröffentlicht, erstmals unterbrochen und sich seit Schwarz in Schwarz ganze drei Jahre Zeit gelassen, um dann am 14. März dieses Album zu veröffentlichen. Ich habe es vorbestellt. Nicht in der normalen Variante, nicht in der Fan-Edition sondern natürlich in der auf 1000 Stück limitierten Ausgabe mit Walletchain. Ich war unglaublich gespannt auf dieses Album, nicht nur, weil ich mit Schwarz in Schwarz und Kreuzfeuer, den beiden Vorgängen nie so ganz warm wurde, sondern auch, weil Subway to Sally hier das erste Mal ein Konzeptalbum vorlegen.

Es geht um Mördergeschichten, so lautet der Untertitel des Albums und man merkt schon an den Titelnamen, dass dieser Titel Programm ist. Wie gehe ich das Album jetzt hier an? Ich schreibe erstmal ein bisschen was zu den einigen Songs, danach noch etwas zu dem Gesamtpaket des Albums und am Ende schauen wir nochmal in die Ausstattung der Deluxe-Version rein und warum das hier eine gute Anschaffung ist.

  1. Ad mortem Festinamus

Es geht mit einem ganz typischen Choral los, so einen Choral gibt es auf fast jeder Platte, ich erinnere an die Bastard-Tour, auf der das Cantitum Satanae der Opener war. Der erste Song, der dann mit dem typischen Folkrock-Sound einsetzt und schon direkt ein bisschen ins Dunkle und ins Metallische gehend den Sound des Albums absteckt, ist eine Umsetzung eines mittelalterlichen Tanzliedes. Es geht darum, angesichts des Todes nicht mehr zu sündigen – und stellt insofern einen schönen Kontrast, aber auch einen schönen Einstieg in das Album dar, denn die anderen Songs beschäftigen sich mit Menschen, die im Tod noch sündigen. Ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich mit dem Song warm wurde, aber inzwischen habe ich ihn durchaus liebgewonnen

  1. Schwarze Seide

Der Song, der vorab ausgekoppelt wurde, beschäftigt sich mit Carl von Cosel einem Nekrophilen, der sich die Leiche von Maria Elena de Hoyos mit nach Hause nahm, an ihre Leiche arbeitete und sie dann auch vergewaltigte. Der Song ist fast schon ein wenig progressiv, von den dezenten und schwachen Strophen geht es über die fulminanten Refrains bis hin zu einem Dubstep-Basssolo, das auf einen ganz sanften und balladenartigen Teil folgt. Die Analyse von Wort-Ton Verhältnissen spare ich mir gerne zugunsten der Anmerkung, dass der Song den Sound des Albums ziemlich gut charakterisiert und für mich ein wirklicher Höhepunkt des Albums ist.

  1. Grausame Schwester

Nur eine kurze Anmerkung, sonst bekommt dieser Beitrag hier Überlänge: Wieder mal eine Adaption einer spätmittelalterlichen Geschichte, das grandiose an diesem Song ist wieder mal die musikalische Umsetzung. Ziemlich schnelle Strophen, der Refrain dann im halben Tempo und die Brigde, die verzerrten Gesang und typische Dubstep-Bassläufe, darauf folgend ruhige Harfenklänge, um dann in einer Wiederholung des Refrains den Sound von „Nord Nord Ost“ (2005) (Ich fühle mich an Schneekönigin erinnert!) aufzugreifen. Dieser Song zeigt innerhalb von 5 Minuten eine musikalische Bandbreite, die viele Künster in ihrer ganzen Karriere nicht ausnutzen.

Im Gegensatz dazu ist dann der nächste Song, „Warte Warte“ wieder ziemlich dunkel und erinnert eher an „Engelskrieger“ (2003), dein Kapitän klingt ein bisschen wie „Auf Kiel“ (Bastard, 2007), „Arme Ellen Schmitt“ und „In Kaltem Eisen“ sind einfach tolle Hymnen, auf die ich mich live schon sehr freue, das letztere klingt ein bisschen nach dem „Seemannslied“ (Nord Nord Ost, 2007). „Vela Dare“ ist ein Instrumental, das musikalisch einerseits an die frühen Alben erinnert, aber gleichzeitig, modern und rockig daherkommt. Der Song stammt übrigens vom Dubsteb und Progressive-Rock Produzenten Eirik Troen Brunvoll aus Norwegen.

10. Haus aus Schmerz

Mein Highlight. Bestimmt ist der Song Geschmackssache, es ist einer dieser Nummern, bei der der Kopf über die gesamte Länge von viereinhalb Minuten mitwippt. Es geht um ein Folterhaus, dass sich ein amerikanischer Massenmörder eingerichtet hat. Es ist einer der härtesten Songs auf dem Album und sicherlich auch einer der brutalsten, stärksten und intensivsten. Ich liebe ihn, mir gefällt der Pre-Chorus, in dem der Song in die achtfachte Geschwidigkeit beschleunigt, um dann einen langsamen, aber intensiven Refrain anzustimmen. Der Instrumentalpart ist dubstep-lastig und begleitet damit eine Melodie, die auch schon auf den ersten Alben hätte drauf sein können – wieder ein Beispiel dafür, wie vielseitig dieses Album ist.

11. Im Weidengarten

Der Bonustrack der Deluxe-Edition ist meiner Meinung nach diesmal leider einer der schwächsten Songs, auch wenn es live sehr stimmungsvoll werden könnte. Es ist eine sanfte und deshalb auch unglaublich morbide Rockballade. Schon irgendwie schön, aber passt nicht so ganz ins Gesamtkonzept des Albums rein, ich verstehe, wieso es der Bonustrack ist. Keineswegs schlecht, aber kein besonderer Anspieltipp.

Die Coda ist genau das, was sie verspricht, ein runder und ruhiger Abschluss des Albums.

Man sieht den Titeln schon an, das Album ist eine runde Sache geworden. Auch wenn die Laufzeit mit 43 bzw. 48 Minuten nicht übermäßig lang ist, hat man das Gefühl, die Scheibe ist fertig, so wie sie ist. Die Songs funktionieren alle auch einzeln gut (vielleicht mal von der Coda abgesehen), aber besonders schön gemacht sind die Übergänge der Songs. Der Song ist fertig, aber es hört nicht auf, sondern es bleibt ein bisschen Musik übrig, der nahtlos in den nächsten Song moduliert, hört man das Album unterbrechungsfrei am Stück, hat man ein langes Werk aus 12 Teilen vor sich, das so viele Geschichten erzählt. Klasse Sache, diese Übergänge. Auch wenn es nur ein kleines Detail ist, zeigt es einmal mehr, wie viel liebevolle Arbeit sich die Band gemacht hat. Es ging nicht darum, ein Album hinzuwerfen, sondern ein Meisterwerk zu kreieren. Und ich finde, mit Mitgift ist das auch durchaus gelungen, hier stimmt wirklich alles. Die Songs sind Geschmackssache, der eine Song geht dem einen mehr ins Ohr, als dem anderen, aber mal abgesehen von der handwerklich absolut gelungenen Produktion, ist Mitgift ein Album, in dem viel Liebe drinsteckt und das es verdient, mehr als einmal angehört zu werden.

Kurz noch etwas zur Deluxe-Edition, die mit Bonus-DVD, Bonustrack und zusätzlichem Booklet daherkommt:
Der Bonustrack ist nicht so meines, für alle Balladenfans aber sicherlich nett. Die DVD ist eben eine typische „Bonus-DVD“, es gibt ein umfangreiches Making-of von Album (30 Minuten) und Artwork (3 Minuten), dazu das Musikvideo von „Schwarze Seide“ und eine halbe Stunde sehenswertes Livematerial vom Summer Breeze Festival 2012. Für Fans sicherlich schön.

Das Highlight dieses Paketes ist aber das zweite Booklet. In diesem werden alle Hintergründe zu den Songs erklärt, die historischen Fälle werden beleuchtet und erklärt, worum es eigentlich ging, was der Song erzählt. Zusätzlich gibt es QR-Codes zu Videos mit der Psychologin Lydia Benecke, die diese Fälle nochmal zusätzlich beleuchtet und Auskunft über Motivation und Handeln der historischen Mörder gibt. Diese Informationen lassen einen die Songs noch einmal in völlig anderem Licht sehen und helfen ungemein dabei, die Songs zu verstehen. Wenn ihr die Deluxe-Edition also nicht wegen des Bonustracks oder der DVD kauft, dann kauft sie wegen des Booklets. Die paar Euro mehr ist dieses Booklet in jedem Fall wert.

Ihr merkt schon, ich bin von dem Album sehr angetan. Ich könnte locker auch dreimal so viel über jeden einzelnen Song schreiben, aber das sprengt sicherlich den Rahmen dieses Artikels. Bei mir läuft das Album immer mal wieder durch und ich hoffe, dass ich es auch in diesem Jahr wieder zu einer Eisheiligen Nacht schaffe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *