End of an Era Pt. 1

End of an Era Pt. 1 – Ein Abschied in drei Akten.

Hintergrund: Ich stehe vor einem großen Umbruch und werde im Herbst nicht nur von meinen Eltern wegziehen, sondern auch meinen Lebensmittelpunkt inklusive Studium c.a. 70km weiter südlich verlagern. Entsprechend viel befindet sich bei mir im Umbruch. Diese Serie von Blogeinträgen erzählt darüber.

Während diese ersten Zeilen entstehen, läuft im Bürgersaal Büblingshausen zum vorletzten Mal HAIR in einer Inszenierung der Musicalgruppe der Goetheschule Wetzlar, Deutschlands ältester Amateurmusicalgruppe. Einer Gruppe, der ich jetzt fünf Jahre lang beiwohnen durfte. Zwei Jahre im Orchester, drei Jahre in der Produktionsleitung, davon insgesamt vier Jahre lang im Vorderhaus. In meiner Zeit sahen ungefähr 13.000 Menschen ein Musical von uns. Und jetzt wird es wohl das letzte Mal sein. Nächstes Jahr kann ich mich vielleicht aus der Ferne noch um ein paar PR-Sachen kümmern, aber ich werde direkt mit der Produktion nichts mehr zu tun haben. Zeit, die fünf Jahre mal Revue passieren zu lassen.

 

Am 10. Januar 2010 bekam ich von jemandem eine Skype-Nachricht, dass sie für die Produktion von 3Musketiere noch ein Saxophon brauchen würden, 9 Tage später war die erste Probe. Da war ich noch gar nicht auf der Goetheschule, war noch nicht ganz 15 Jahre alt und sollte bei einem Musical mitspielen. Das klang nach einer tollen Sache und so stieß ich zur Gruppe und lernte in jeder einzelnen Probe mehr über Musik als in einem Jahr Musikunterricht. Ich habe eine neue Form des Dirigats kennengelernt, habe statt einzelnen Instrumentalstücken ein zusammenhängendes Werk gespielt – mit all seinen Vor- und Nachteilen, habe irrsinnig viele Vorzeichen kennengelernt und zur Premiere war ich immerhin so weit, dass ich keinen Schaden angerichtet habe.

Bei EVITA durfte ich dann wieder mitspielen und war auch diesmal ein bisschen besser – das Stück war auch etwas einfacher. Fast alle Shows waren ausverkauft und wir durften sogar zu einem Gastspiel fahren, bei dem ich dann so ein bisschen in die Arbeit Produktionsleitung hereingerutscht bin. Hier saß ich auch vor der Show das erste Mal an der Abendkasse und habe Tickets verkauft.

Und dann ging es weiter. Zu Frühlings Erwachen bin ich in die Organisation einer Produktion reingewachsen, ich erinnere mich an endlose Technikdiskussionen, ich denke an endlose Proben, die ich mitbeaufsichtigt habe, ich denke an mein erstes Probenwochenende als Betreuer, ich denke an eine tolle Zeit mit leider viel zu wenigen Zuschauern.

Zu Rent begann dann die Fassade ein bisschen zu bröckeln. Selbst vom Abitur ziemlich eingespannt, gab es endlose und anstrengende Diskussionen – dazu gab es noch eine Musical Gala im Dezember dazu, alles zusammen eine Menge Arbeit und viel Kraft, die mich das gekostet hat – einige mittelschwere Katastrophen kamen noch dazu. Die Zuschauerzahlen stimmten aber und die Kritiken gaben uns Recht.

Und dann HAIR. Ein Umbruch in allen Positionen, neue Regie, neue Musikalische Leitung, neue Produktionsleitung, neue Herausforderungen, organisatorisch etwas schwierig, weil uns der direkte Draht zur Schule fehlte. Und irgendwie fehlte mir auch der Zugang zur Produktion. Ich hab‘ eigentlich die meiste Zeit nur Zeit abgegessen und konnte das alles weniger genießen. Ich weiß es gar nicht mal genau, wieso; vielleicht hatte ich innerlich schon abgeschlossen, vielleicht waren es die schlechten Erfahrungen aus RENT, aber irgendwie habe ich gemerkt, dass mir die Musicalgruppe nicht mehr so viel gibt, wie sie das früher getan hat – zu Frühlings Erwachen Zeiten war ich noch richtig mit Begeisterung dabei, bei HAIR kaum noch. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich von Anfang an wusste, dass ich die Premiere nicht miterleben würde. Andererseits hatten wir ein tolles Probenwochenende, das Management des Vorverkaufs hat mir Spaß gemacht und die Besucherzahlen stimmten auch wieder.

Jetzt ziehe ich nach Darmstadt. Im nächsten Jahr, bei The Addams Family, werde ich keine tragende Rolle mehr spielen, werde meinen Posten an der Spitze der Nahrungskette räumen. Allein die räumliche Entfernung macht es schwer, noch aktiv mitzuwirken und ich glaube, ich möchte es nicht mehr. Ich bin nicht ganz aus der Welt, ich kann noch aus dem Hintergrund unser Forum betreuen, vielleicht werde ich mich ein bisschen um die Social Media und Pressearbeit kümmern, vielleicht komme ich mal zu den Vorstellungen vorbei und sehe mir was an, aber eigentlich ist das ein Abschied.

Danke für fünf tolle Jahre, danke für die vielen netten Menschen, die ich kennenlernen durfte, danke für die tolle Zeit und die unzähligen Erfahrungen, die ich durch die Gruppe sammeln konnte. Aus diesem Erfahrungsschatz werde ich wahrscheinlich noch die nächsten 10 Jahre zehren.

Jetzt gilt es noch, die Scherben zusammen zu fegen und das Licht auszuschalten. Einmal noch die Abrechnungen machen, den Rest des Musicalkrams, den ich daheim rumstehen habe, noch loswerden und dann ist es auch schon vollbracht. Eine Ära geht zu Ende.

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