Eine ganz besondere Herausforderung

Dem ein- oder anderen mag es ja bekannt sein, dass ich im Moment ein Jahr in der Bibliothek verbringe. Und wer mir auf Facebook folgt, hat vielleicht auch mitbekommen, dass ich insbesondere im Bereich der Interkulturellen Arbeit in unserer Bibliothek tätig bin.

In einigen Tagen kommt eine ganz neue Facette dieser Arbeit hinzu. Bisher war das, was wir dort gemacht haben, eher eine theoretische Sache. Wir haben Flyer organisiert, haben uns kreativ zusammengesetzt, haben unseren fremdsprachigen Medienbestand überarbeitet und Maßnahmen ergriffen, um das Deutschlernen bei uns zu vereinfachen – unter Anderem mit einem nur dafür aufgestellten Computer inklusive Headset.

Doch am Mittwoch wird es praktisch. Im Rahmen einer Kooperation mit der Volkshochschule bekommen alle Teilnehmer der staatlichen Integrationskurse eine Einführung in die Bibliothek – und genau die werde ich geben.

Im Klartext: Ich, ein Mensch, der nicht unbedingt dafür bekannt ist, sich in kurzen, einfachen und präzisen Sätzen auszudrücken, darf Menschen, die unsere Sprache gerade erst erlernen, eine Einführung in unsere Bibliothek geben. Ich bin mal sehr gespannt.

Genau solche Sachen sind es, die das  FSJ für mich zu einem wertvollen Jahr machen. Diese Führungen (12 Stück wird es davon geben) werden mich vor ganz neue Probleme stellen und verlangen mir etwas völlig anderes ab, als ich das im Schulalltag (oder dann später im Unialltag) gewöhnt bin. Erstmals kommt es also nicht darauf an, das geballte Wissen in präziser und sprachlich eloquenter Form auszuformulieren, sondern ich muss mich verständlich machen. Einfach Wortwahl, kurze Sätze, nichts Anspruchvolles – und mein eigener Anspruch dabei ist, dass das alles möglichst natürlich wirkt – denn ich möchte den Deutschlernen nicht das Gefühl geben, dass ich mich für sie verstelle. Das  würde dann so wirken, als würde ich mich großmütig auf ihr Niveau herablassen und einen solchen Eindruck will ich absolut nicht vermitteln; das ist ja auch nicht das, was ich über sie denke – ganz im Gegenteil. Ich freue mich sehr auf diese Führungen und freue mich über jeden, der vielleicht auch nach den Führungen noch mal bei uns hereinschaut.

Trotzdem bin ich noch ein bisschen skeptisch, wie das wird. Ich bin sicher, es werden tolle Führungen und ich werde viel Spaß haben – aber ein bisschen Unsicherheit ist natürlich noch vorhanden. Ich hoffe auf eine tolle Gruppe am Mittwoch – und den folgenden Terminen.

Eines ist jedoch sicher: Diese Führung(en) wird eine der Erfahrungen, wegen der ich mein FSJ angefangen habe. Und das hat dann auch gar nichts mit griffigen Schlagwörtern wie „Interkulturelle Kompetenz“ oder Ähnlichem zu tun, solche Kategorisierungen mag ich nicht – das ist einfach eine ganz menschliche Erfahrung, auf die ich sehr gespannt bin und mich freue.

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