Der Fall des Herakles

Nach kurzer Zeit des Wartens löst sich die Kälte um mich herum auf. Ich bin bereit für das Abenteuer. Das Motorengeräusch beruhigt mich und so kann ich in aller Ruhe einige Seiten meiner Lektüre genießen, während wir durch die zerrütteten Vorstadtlandschaften fahren. Endlich ist es so weit und ich tausche das warme Motorengeräusch gegen den Sprühregen der Kernstadt aus. Doch bevor ich mich so wirklich in das Abenteuer stürzen kann, muss ich zunächst noch einer namenlosen Maschine meine intimsten Ziffern anvertrauen. Sie spuckt die bunt bedruckten Blätter meiner Begierde aus und nun kann mich nichts mehr halten.

Meine erste Odyssee führt mich in einen warmen und freundlichen Ort. Alles ist voller schöner Teppichböden und sogar die um mich herumstreunenden Wesen scheinen ein wenig von der Harmonie der Papierberge um sie herum angesteckt zu sein. Prüfend blicke ich die Auslage an und muss mich entscheiden, welche Ware dem zu Beschenkenden gefallen könnte. Nach kurzer Zeit fällt mir etwas ins Auge und ich vollende den Erwerb des begehrten Gutes mit einem Autogramm.

Die zweite heraklische Aufgabe, der ich trotzen muss, wartet indes auf mich mit hämischem Grinsen. War es nur eine dickflüssige Substanz und ein Satz Messer, der mich in dieses Atelier hineinführte,  gestaltet sich der Erwerb derselben doch etwas schwierig. Doch nach nur kurzer Zeit verlasse ich mit zufriedenem Grinsen diese Einrichtung in dem guten Gefühl, Eurystheus ein Schnippchen geschlagen zu haben.

Der letzte Teil meiner Reise leitet mich indes in eine Lokalität, deren Name primitiver nicht sein könnte, die aber ihren Zweck erfüllt. War ich zuvor noch angeregt bis amüsiert durch die Regalreihen gestreunt, überkommt mich nun nur noch das Verlangen der Flucht. Mit einem kurzen Zwischenstopp, bei dem ich mich von einigen meiner Metallplatten trennen muss, hechte ich hinaus und besuche nun noch, als Belohnung der vollendeten Reise den Himmel höchstpersönlich.

Die letzten Krümel des Kokosdonuts essend, steige ich wieder in den Bus ein, der mich nach Hause bringt und bin um die Erkenntnis schlauer, dass 45 Minuten Adventsshopping ausreichen. Bei weitem.

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