Chronicles of the Immortals – Netherworld Part One

Hier die zweite meiner drei versprochenen Musikkritiken. Die dritte wird auch noch erscheinen. Irgendwann *smile*

Die Band Vanden Plas hinter Frontmann Andy Kuntz gibt es seit über 20 Jahren und konnten sich in Deutschland vor allem über ihr zweites Standbein, das Theater etablieren. So spielt Andy Kuntz regelmäßig Musicals, die Band setzt ihre Alben als Musicals um, immer dabei ist das Pfalztheater. Eines Tages kam Wolfgang Hohlbein (=>romanfresser.de für mehr Infos!), Autor mit über 42 Millionen verkauften Büchern, auf die Band zu und sagte: „Hej, habt ihr Lust aus meiner Vampirromanreihe ein Musical zu machen“. Und Andy Kuntz so „Klaro, immer doch.“

Eine Spielzeit später ist „Blutnacht – Die Rockoper“ gelaufen und die Band machte sich daran, zwei Konzeptalben aus dem vorhandenen Stoff zu schreiben. Das erste liegt nun vor. Ich bin tatsächlich über die Hohlbein-Homepage darauf gestoßen, bei dem Begriff „Progressive Metal“ wurde ich hellhörig. Denn tatsächlich ist Vanden Plas eine Prog-Metal Band, in Frankreich regelmäßig ausverkauft, fristen sie in Deutschland eher ein Schattendasein.

Nach einigen Spotify-Streams bin ich dann zum Plattendealer meines Vertrauens, hab diese Scheibe erworben und kann nun, nach gut einem Dutzend Durchläufen endlich mal was darüber sagen. Und zwar im Gegensatz zu Subway to Sally hier im Gesamten.

Das Album ist meiner Meinung nach ein astreines Prog-Metal Album und noch ein bisschen mehr. Erstmal findet sich typische Prog-Metal-Strukturen, langsame Instrumentalstellen, tolle Gitarrensolos, harte Riffs, ein super abwechslungsreiches Schlagzeug, längere Tracks mit immer wiederkehrenden Themen, Andy Kuntz hat eine wundervolle kraftvolle Stimme, die er auch voll ausspielt und insgesamt wirkt das Album wirklich wie aus einem Guss. Es ist eines der wenigen Alben, von denen ich mir selten einen Track raussuche, um ihn so zu hören, weil er mir im Ohr geblieben ist, sondern es ist das gesamte Album, dass ich dann in der Regel hören möchte.

Die größte Stärke des Albums ist auch gleichzeitig seine größte Schwäche. Die Refrains klingen unglaublich episch, unglaublich kraftvoll und so richtig als der Befreiungsschlag des vorangegangenen Teils, in jedem Fall als Höhepunkt der Nummer, aber irgendwie will nichts so wirklich ins Ohr. Während ich beispielsweise nach einem Dream Theater Alben gerne mal einige Stellen vor mich hinsinge, passiert mir das bei diesem Album eher selten. Am ehesten wäre es noch Godmaker, bei dem mal eine Stelle im Ohr bleibt, aber so wirklich ohrwurmtauglich ist das Album eigentlich nicht. Vielleicht ist das auch nur mein Empfinden, aber es ist auch kein Instrumentalteil dabei, dessen Melodie so eingängig wäre, dass man ihn vor sich her pfeift. Ich habe es ja ganz gerne, wenn man in einem Album ein paar solcher Stellen hat, aber ich finde es auch total spannend, hier ein Album zu haben, bei dem mir eigentlich durchweg das Herz aufgeht, aber im Ohr wenig hängenbleibt. Ich kann auch gar nicht mal sagen, woran es genau liegt, aber es ist auf jeden Fall etwas ungewohnt.

Ich hatte eben gesagt, es ist noch ein bisschen mehr als ein Prog-Metal Album. Denn da ist im Hintergrund immer ganz viel orchestrales Zeug, da ist mal in dem ein- oder anderen Song eine Gastsängerin, da ist etwas klassisches Schlagwerk zu hören – all dies sind Einflüsse aus dem Symphonic-Metal, die mir wirklich gut gefallen und das ganze dann auch musicaltauglich machen. Ich kann mit gut vorstellen, dieses Album als den ersten Akt eines Bühnenstückes präsentiert zu bekommen. Diese Kontraste aus der echt metal-lastigen Nummer „Godmaker“, die dann über ein kurzes Instrumental in das ruhige, getragene“A Ghost‘s Requiem“ übergeht, in dem ein ganzer Chor zu hören ist, das sich aber am Ende wieder aufbaut und diesen Sinnabschnitt dann abschließt, um Platz für die nächste Metalnummer, „New Vampyre“ zu machen – und in dieser Nummer ist dann tatsächlich ein Intro, dass ein bisschen Ohrwurmcharakter hat. Und auch in dieser Nummer werden wieder alle progressiven Register gezogen – wie eben im ganzen Album

Kommen wir mal zu einem kleinen Fazit: Chronicles of the Immortals ist nichts für Ohrwurmsuchende. Und jemand, der eine extreme musikalische Komplexität wie bei Dream Theater sucht, ist auch falsch. Das Album ist einfach eine handwerklich gut gemachte und wunderschön klingende Mischung aus Progressive und Symphonic Metal mit ein paar Musicalzutaten dabei. Klasse produziert, klasse komponiert, klasse arrangiert und einfach ein ganz rundes Gesamtwerk. Man kann sich einfach eine Stunde in den Sessel setzen und zuhören, da ist keine Note zu viel und keine zu wenig. Es ist schön. Und es wird bis zum Erscheinen des zweiten Teils sicherlich bei mir weiterlaufen. Genau mein Stil.

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