End of an Era: Interludium

Heimatlos. Ruhelos. Kleinstadtblues. So könnte man meinen momentanen Gefühlszustand umschreiben. Die Regale sind leer, teilweise schon abgebaut, um mich herum stapeln sich Umzugskisten. Statt dem inspirierenden Bücherregal gibt es nur noch gepackte Kisten. Die Küche meiner Eltern ist geplündert, Geschirr ist gepackt, meine CDs stapeln sich mit den Klamotten um die Wette und jede Faser dieses Zimmers ist auf den Umzug gepolt. In einer Woche ist es so weit. Es ist nicht so, dass es mein erster Umzug wäre, aber es ist mein Auszug. Einen eigenen Haushalt führen. Mit dem Studium beginnen. Ab in die Großstadt.

Bis dahin vergeht noch eine Woche. Witzigerweise fangen am Montag die Orientierungsveranstaltungen an, ich bekomme mein Zimmer aber erst am Mittwoch. Im Klartext heißt das: Drei Tage Pendeln. Zum zweiten Teil der Orientierungsveranstaltungen übernächsten Montag, bin ich dann aber schon unten und muss ein bisschen mit der gleichzeitig stattfindenden Buchmesse jonglieren. Eigentlich möchte ich sehr gerne und sehr viel auf der Buchmesse unterwegs sein, aber ich möchte in der Uni auch nichts verpassen. Mal schauen. Toll ist ja, dass ich mit der S-Bahn in einer halben Stunde in der Messe bin. Und dann gehen die Vorlesungen los.

Aber bis dahin gilt es einen Umzug zu meistern. Und diese chaotische letzte Woche will noch hinter sich gebracht werden. Es gibt noch viel zu tun, vieles ist schon getan. Beim Packen rast die Vergangenheit an einem vorbei. Viele Bilder und leider auch viel Zeit um sich damit zu beschäftigen. Kleinstadtblues. Mal schauen, wie es in zwei Wochen aussieht. Großstadtliebe?

End of an Era – Pt. II

Hintergrund: Ich stehe vor einem großen Umbruch und werde im Herbst nicht nur von meinen Eltern wegziehen, sondern auch meinen Lebensmittelpunkt inklusive Studium c.a. 70km weiter südlich verlagern. Entsprechend viel befindet sich bei mir im Umbruch. Diese Serie von Blogeinträgen erzählt darüber.

Wenn man diese Serie als einen Dreiakter betrachtet, würde jetzt die Phase der Entwicklung und des Höhepunktes kommen. Andererseits würde demnächst die Katastrophe folgen. Fakt ist jedenfalls, dass ich seit dem 22.09. nicht mehr arbeite. Durch Resturlaub und Überstunden konnte ich mein FSJ eine Woche vor dem geplanten Ende abschließen und bin jetzt seit einigen Wochen zu Hause, bis es dann demnächst an den Auszug geht. Zeit, das FSJ mal Revue passieren zu lassen.

Alles fing damit an, dass ich in die Stadtbibliothek kam, herzlich empfangen wurde und mich erstmal in das Arbeitsleben hereinfuchsen musste. In der letzten Zeit in der Schule hatte ich noch 31 Wochenschulstunden und es fielen auch gerne mal noch welche aus; ich war oftmals schon gegen 14 Uhr zuhause und konnte mir die ganze Lernerei für Klausuren und Abiturprüfungen frei einteilen und zu den Zeiten arbeiten, an denen ich wollte. Jetzt war ich 39 Stunden pro Woche am Arbeitsplatz, brauchte aber abends nichts mehr tun. Das war eine sehr große Umstellung für mich und führte dazu, dass ich abends auch tatsächlich gar nichts mehr gemacht habe und nur noch auf dem Sofa lag – zumindest in der Anfangsphase.

Die Arbeit selber war eine tolle Sache. Ich hatte in meiner Einsatzstelle, der Stadtbibliothek in Gießen ein sehr vielfältiges Arbeitsfeld, mein Schwerpunkt war die Interkulturelle Bibliotheksarbeit, in der ich einiges bewegt habe und im ersten halben Jahr insbesondere die Konzepte, die mein Vorgänger erarbeitet hatte, praktisch umgesetzt habe. So ging es zum Beispiel um mehrsprachige Informationsmaterialien, einen Englischkurs für Bibliotheksmitarbeiter und eine Sprachlernstation, an der Migrant_innen die Möglichkeit gegeben wird, sie mittels Sprachlernsoftware beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen. Nebenher war ich dann auch an für ganz normalen Tätigkeiten in der Bibliothek zuständig. Ich habe Bücher eingebunden, Bücher katalogisiert, Signaturschildchen geklebt und natürlich morgens die zurückgegebenen Bücher zurück in die Regale gestellt. Besonderen Spaß hat es mir gemacht, an der Theke zu sitzen, Bücher auszuleihen und zurückzunehmen und da dann auch irgendwann zu sehen, welche Bücher sehr beliebt sind und wie verschieden die Fragen sind, die uns gestellt werden. Auch was die Onleihe angeht, habe ich an der Theke immer gerne viel geholfen.

Im zweiten halben Jahr gab es dann die Führungen für Integrationskurse. Bei uns ist es tatsächlich so, dass jeder Integrationskurs der Volkshochschule eine Bibliotheksführung bekommen sollte – das hieß für mich, dass ich über 100 Migrant_innen durch die Bibliothek geführt habe und das war wirklich eine sehr spannende und wundervolle Aufgabe. Nicht nur, weil die Kurse so unterschiedlich waren, sie waren ausnahmelos guter Laune, haben oftmals viel gelacht waren mit viel Interesse und noch mehr Engagement dabei, viele haben sich direkt angemeldet und einige von ihnen habe ich in den nächsten Monaten immer wieder in der Bibliothek gesehen. Das war eine tolle Erfahrung, sich mit ganz einfachen Worten und Sätzen, manchmal noch mit ein wenig Englisch und viel anschaulichem Vorführen verständig zu machen und es hat mich vor allem gefreut, mal richtig herausgefordert zu werden, mal eine ganz andere Art von Herausforderung kennen zu lernen. Diese positive Energie, die diese Gruppen ausstrahlten und die große Begeisterung, mit der sie die Angebote auch genutzt haben, haben mein FSJ wirklich bereichert. Und das Feedback, das ich erhalten habe, war ebenfalls überwältigend – vielen lieben Dank dafür!

Es war auch einfach ein tolles Gefühl, ein Jahr unter Büchern zu verbringen. Ich habe mich in dem Jahr auch darum gekümmert, unseren Bestand an englischen Büchern auszusortieren und durfte dann auch die Neuanschaffungen einarbeiten – dabei bin ich über einige Schätzchen gestoßen, ich habe einige Neuerscheinungen, die ich mir sonst nicht gekauft hätte, gelesen und hatte eigentlich immer zumindest ein Buch aus der Bibliothek zuhause. Das war eine tolle Zeit mit so vielen Ideen, was man lesen könnte und so vielen spannenden Büchern – und ich werde auch sicherlich mal schauen, dass ich häufiger mal zu Gast in der Bibliothek meiner neuen Heimatstadt sein werde.

Eine Sache muss ich noch erwähnen, eine Sache, die mein FSJ zu der tollen Erfahrung gemacht hat, die es war: Die Seminare. Zu einem FSJ gehören 25 gesetzlich vorgeschriebene Seminartage. Unsere Seminargruppe war eine bunte Mischung aus vielen verschiedenen Kulturell engagierten Freiwilligen, von Bibliothek, Museum, Schloss, Zoo bis hin zur Jugendarbeit waren ganz viele tolle Menschen mit tollen Einsatzstellen in dieser Gruppe, die von einem tollen Teamer geleitet wurde. Gemeinsam haben wir Kultur erlebt, viel gelacht, viel unternommen, viel gesprochen und haben unsere Seminartage zu einer tollen und wertvollen Zeit gemacht. Ich bin froh, dass wir unsere Vielfalt in unserem Jahresprojekt dokumentiert haben. Danke an euch für die tolle Zeit – und natürlich auch ein großes Danke an meine Einsatzstelle, die mir diese Erfahrungen erst ermöglicht hat.

Was bleibt von diesem Jahr übrig? Eine ganze Menge Erfahrungen, die ich vielleicht erst in ein paar Jahren wirklich zu schätzen weiß. Es war eine tolle Zeit, es war ganz wichtig, mal zu erfahren, wie eigentlich die Arbeitswelt aussieht, was es heißt, 39 Stunden in der Woche zu arbeiten und was das eben auch für Veränderungen – im Vergleich zur Schule und wahrscheinlich auch zum Studium – mit sich bringt: Frappierende. Es war wichtig und wertvoll für mich, diesen anderen Lebensstil mal ein Jahr lang zu unterbrechen – und dass ich das Glück hatte, das in einem für mich Bücherwurm geradezu paradiesischen Umfeld, war eine super Sache. Danke auch an volunta, meinem Träger, mit dem ich zwar gar nicht so viel zu tun hatte, aber der mich trotzdem, sofern es nötig war, gut durch dieses Jahr begleitet hat.

Jetzt bin ich seit einigen Wochen zuhause, mache meinen Führerschein und nebenher ein bisschen Urlaub, bereite mich darauf vor auszuziehen und werde euch dann zu gegebener Zeit über den dritten Teil dieses Abschieds, den Abschied vom Elternhaus und der Wahlheimat Wetzlar berichten. Bis dahin.

End of an Era Pt. 1

End of an Era Pt. 1 – Ein Abschied in drei Akten.

Hintergrund: Ich stehe vor einem großen Umbruch und werde im Herbst nicht nur von meinen Eltern wegziehen, sondern auch meinen Lebensmittelpunkt inklusive Studium c.a. 70km weiter südlich verlagern. Entsprechend viel befindet sich bei mir im Umbruch. Diese Serie von Blogeinträgen erzählt darüber.

Während diese ersten Zeilen entstehen, läuft im Bürgersaal Büblingshausen zum vorletzten Mal HAIR in einer Inszenierung der Musicalgruppe der Goetheschule Wetzlar, Deutschlands ältester Amateurmusicalgruppe. Einer Gruppe, der ich jetzt fünf Jahre lang beiwohnen durfte. Zwei Jahre im Orchester, drei Jahre in der Produktionsleitung, davon insgesamt vier Jahre lang im Vorderhaus. In meiner Zeit sahen ungefähr 13.000 Menschen ein Musical von uns. Und jetzt wird es wohl das letzte Mal sein. Nächstes Jahr kann ich mich vielleicht aus der Ferne noch um ein paar PR-Sachen kümmern, aber ich werde direkt mit der Produktion nichts mehr zu tun haben. Zeit, die fünf Jahre mal Revue passieren zu lassen.

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Ein Qualabend

Gestern waren die Wahlen zum europäischen Parlament, dem einzigen Organ der europäischen Union, das wir Bürger direkt wählen können. Es ist bei mir schon seit einigen Jahren Tradition, dass ich mich an sämtlichen Wahlabenden, also zu allen Landtagswahlen, Bundestagswahlen, Europawahlen um 18 Uhr mit meinem Laptop vor den Fernseher setze und einen Abend vor dem Fernseher genieße. Von der 18 Uhr Prognose bis zu den 23 Uhr Hochrechnungen, bei denen der Unterschied zum amtlichen Endergebnis kaum noch messbar ist. Wer mich etwas besser kennt, weiß auch, welche Ergebnisse mich freuen und welche ich nicht so klasse finde. Je nach Wahlergebnis gehe ich dann entweder sehr euphorisch oder eben etwas weniger euphorisch ins Bett. Bei einigen Wahlen gehe ich auch eher geknickt ins Bett.  Denn ganz unabhängig von der Partei, für die ich sympathisiere, bin ich in jedem Fall ein großer Freund der Demokratie, ein Freund der europäischen Union und damit verbunden auch ein Freund der Vielfalt und Toleranz, in der wir alle leben. Völlig egal, ob sich das auf die Ethnie, auf die sexuelle Orientierung oder auf sonstige Unterscheidungsmerkmale bezieht. Folglich ging ich 2011 zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern etwas geknickt zu Bett.

Und gestern wieder.

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Eine ganz besondere Herausforderung

Dem ein- oder anderen mag es ja bekannt sein, dass ich im Moment ein Jahr in der Bibliothek verbringe. Und wer mir auf Facebook folgt, hat vielleicht auch mitbekommen, dass ich insbesondere im Bereich der Interkulturellen Arbeit in unserer Bibliothek tätig bin.

In einigen Tagen kommt eine ganz neue Facette dieser Arbeit hinzu. Bisher war das, was wir dort gemacht haben, eher eine theoretische Sache. Wir haben Flyer organisiert, haben uns kreativ zusammengesetzt, haben unseren fremdsprachigen Medienbestand überarbeitet und Maßnahmen ergriffen, um das Deutschlernen bei uns zu vereinfachen – unter Anderem mit einem nur dafür aufgestellten Computer inklusive Headset.

Doch am Mittwoch wird es praktisch. Im Rahmen einer Kooperation mit der Volkshochschule bekommen alle Teilnehmer der staatlichen Integrationskurse eine Einführung in die Bibliothek – und genau die werde ich geben.

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Werbung oder nicht Werbung

Es ist an der Zeit, dass ich mir die Frage stellen muss, ob ich auf dieser Seite hier Werbung schalten möchte. Eine nicht ganz einfache Frage, der ich mich eigentlich bei der Eröffnung jeder neuen Seite konfrontiert bin, denn Werbung ist nicht ganz unproblematisch.

Was heißt eigentlich „Werbung“ in diesem Fall? Nun, der allgemeine Trend scheint inzwischen weg von diesen nervigen Layer-Ads zu gehen, ein Scriptfenster also, das sich in den sichtbaren Bereich der Webseite zwängt und erst weggeklickt werden möchte. Pop-Ups scheinen aber immer noch recht verbreitet zu sein und werden auch durchaus ganz anständig vergütet. In den meisten Fällen heißt Werbung zu schalten nichts anderes, als Google Ads zu schalten. Eine Werbeform, in der man ein beliebig großes Fenster seiner Webseite mit Anzeigen füttert, die Google gerade ausgibt. Klickt der Benutzer dann auf dieses Banner, bekommt der Webmaster, also in diesem Falle ich, eine geringe Vergütung. Das ist aus mehrerlei Gründen nicht ganz unumstritten.

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Ob die Dummen glücklich sind und die Schlauen Depressionen haben?

Jedem selbstreflektierenden Denker stellt sich während einer Identitätskrise die Frage, die sich sicherlich schon die alten Philosophen gestellt haben und die schon um 1800 der Theologe Alexandre Vinet als Tatsache feststellte: „Die Traurigkeit ist das Los der tiefen Seelen und der starken Intelligenzen.“

Führt also das Nachdenken, das kritische Reflektieren zu Depressionen oder genereller Unzufriedenheit? Ist es so, dass dem Ungebildeten eine gewisse Zufriedenheit innewohnt, weil er es, so sagt man, nicht anders kennt?

Ist das Käfighuhn glücklich, weil es nur den Käfig kennt, das Freilandhuhn aber traurig, wenn es für einen Abend in einen Stall gesperrt wird, weil der Fuchs umgeht? Und sind solche und andere Analogien wirklich zutreffend, um die Methodik der „Liebe zur Weisheit“ anzukreiden?

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Der Fall des Herakles

Nach kurzer Zeit des Wartens löst sich die Kälte um mich herum auf. Ich bin bereit für das Abenteuer. Das Motorengeräusch beruhigt mich und so kann ich in aller Ruhe einige Seiten meiner Lektüre genießen, während wir durch die zerrütteten Vorstadtlandschaften fahren. Endlich ist es so weit und ich tausche das warme Motorengeräusch gegen den Sprühregen der Kernstadt aus. Doch bevor ich mich so wirklich in das Abenteuer stürzen kann, muss ich zunächst noch einer namenlosen Maschine meine intimsten Ziffern anvertrauen. Sie spuckt die bunt bedruckten Blätter meiner Begierde aus und nun kann mich nichts mehr halten.

Meine erste Odyssee führt mich in einen warmen und freundlichen Ort. Alles ist voller schöner Teppichböden und sogar die um mich herumstreunenden Wesen scheinen ein wenig von der Harmonie der Papierberge um sie herum angesteckt zu sein. Prüfend blicke ich die Auslage an und muss mich entscheiden, welche Ware dem zu Beschenkenden gefallen könnte. Nach kurzer Zeit fällt mir etwas ins Auge und ich vollende den Erwerb des begehrten Gutes mit einem Autogramm.

Die zweite heraklische Aufgabe, der ich trotzen muss, wartet indes auf mich mit hämischem Grinsen. War es nur eine dickflüssige Substanz und ein Satz Messer, der mich in dieses Atelier hineinführte,  gestaltet sich der Erwerb derselben doch etwas schwierig. Doch nach nur kurzer Zeit verlasse ich mit zufriedenem Grinsen diese Einrichtung in dem guten Gefühl, Eurystheus ein Schnippchen geschlagen zu haben.

Der letzte Teil meiner Reise leitet mich indes in eine Lokalität, deren Name primitiver nicht sein könnte, die aber ihren Zweck erfüllt. War ich zuvor noch angeregt bis amüsiert durch die Regalreihen gestreunt, überkommt mich nun nur noch das Verlangen der Flucht. Mit einem kurzen Zwischenstopp, bei dem ich mich von einigen meiner Metallplatten trennen muss, hechte ich hinaus und besuche nun noch, als Belohnung der vollendeten Reise den Himmel höchstpersönlich.

Die letzten Krümel des Kokosdonuts essend, steige ich wieder in den Bus ein, der mich nach Hause bringt und bin um die Erkenntnis schlauer, dass 45 Minuten Adventsshopping ausreichen. Bei weitem.