Bundesvision Songcontest 2014 – Was bleibt übrig?

Schon seit Jahren schaue ich mit Interesse den Bundesvision-Songcontest, eine TV-Show, in der Interpreten aus verschiedenen Bundesländern gegeneinander antreten. Ich finde, der Songcontest schlägt eine Brücke zwischen großen Major-Künstlern, die oftmals schlechter als erwartet abschneiden und Indie- und Alternative-Künstlern, denen mitunter hohe Platzierungen gelingen. In den letzten Jahren stellt sich leider zunehmend eine Abnahme der musikalischen Bandbreite ein, härtere Gruppen wie in den früheren Jahren Oomph oder Rage kommen trotz guter Platzierungen (und Siegen) leider nicht mehr auf die Bühne, stattdessen gibt es ganz viel Pop-Mittelmaß und Pop-Rap. Ich hab gestern Abend (hauptsächlich für mich, weil ich gerne mal ein bisschen in meine Favoriten reinhöre) mal ein paar Notizen gemacht, die ich jetzt gerne mal präsentiere:

  1. Andreas Bourani – Auf anderen Wegen

Eigentlich ziemlich lahmer Pop. Nach dem Stadionsong Auf uns wahrscheinlich ein bisschen wenig. So bleibt es leider nur ein deutschsprachiger Schluchzer, der sich mit Laith Al Deen und Adel Tawil einreiht. Berührt mich überhaupt nicht.

  1. Nico Suave feat. Flo Mega – Gedicht

Leider irgendwie auch nicht so meins. Die Parts sind Durchschnittsrap, dazu ein bisschen Bläserzeugs in der Hook, das schon irgendwie nach ganz coolen Zutaten klingt, aber nicht so wirklich zünden will.

  1. Kitty Kat – Hochhaus

Ich hatte Kitty Kat irgendwie gar nicht auf dem Schirm. Dachte immer, so ne Aggro Berlin-Rapperin. Aber total daneben, die Performance fand ich echt stark, der Song hat mich irgendwie mehr berührt und bleibt irgendwie im Ohr. Ihr gerappter Part fiel da fast schon ein Stück ab dagegen. Dennoch ein cooler Song und meine erste Überraschung des Abends.

  1. Sebastian Hackl – Warum sie lacht

N Typ mit Dreads. Minimalistische Performance, schöne Stimme, schöne Musik, angenehmer, handgemachter Wohlfühl-Pop, der aber irgendwie ein bisschen belanglos herüberkommt. Okay, aber kein Ohrwurmpotenzial.

  1. Max Mutzke – Charlotte

Max hat natürlich Power und Drive in seiner Stimme und stellt damit locker mal die bisherige Besetzung des Abends in den Schatten. Der Song selbst ist cool gemacht, klasse performt und macht Laune. Geil!

  1. Duerer – Was gestern war

Whow, eine echte Band. Sowas ist ja heutzutage eher Nischenware. Cooler Song, cooler Indie-Rock. Macht Spaß, rockt und ist ne coole Nummer.

  1. Inglebirds – Getti

Ne. Einfach nur ne. DCVDNS war letztes Jahr zumindest noch witzig, aber das hat halt auch genau einen Song lang funktioniert? Was ist das? Nehmen die sich Ernst, fühlen die sich toll oder was ist das? Komisches Rumgerappe, komische Show-Einlagen und irgendwie. Ne.

  1. Tessy – Keine Rosen

Ein Typ presst ein paar Töne ins Mikro, das berührt mich irgendwie nicht und es passiert auch musikalisch nichts. Neeh.

  1. OK KID – Unterwasserliebe

Ich halte mich raus. Ich liebe das Lied und die Jungs J Aber ich finde, sie haben sehr anständig performt.

  1. Sierra Kidd – 20.000 Rosen

Ein 17-jähriger Rapper – und ich weiß nicht so genau, was ich davon halten soll. Es klingt eigentlich ganz cool, son bisschen auf dieser Pop-Rap Welle mitschwimmend, aber es wirkt noch nicht so ganz ausgereift. Die gesungenen Hooks klingen leider wirklich grausam und textlich ist es doch irgendwie ziemlich phrasenlastig. Also. Ganz coole Ansätze, aber nicht so ganz überzeugend.

Und übrigens: Was soll das brennende Kreuz da? Das hinterlässt irgendwie einen sehr komischen Nachgeschmack – hat das wirklich niemand mal vor der Sendung gegoogelt?

  1. Maxim – Alles versucht

Kraftvoll, traurig, reflektiert – gut! Schon auf dem Chakuza-Album hat er mir als Feature-Gast gut gefallen und auch solo klingt er toll. Melancholisch, aber auch kraftvoll, eine interessante Stimme und eine gewisse Lockerheit beim Performen lassen ihn unglaublich authentisch wirken. Gefällt mir! Mal reinhören.

  1. Tonbandgerät – Alles geht

Das ist eine dieser BuViSoCo Bands. Man hört sie einmal, findet sie sogar ganz cool, aber man käme nie auf die Idee, sich ne Platte zu kaufen oder mehr davon zu hören.

  1. Marteria – Mein Rostock

Marteria performt unglaublich stark und ist einfach ein Bühnenprofi, der seinesgleichen sucht. Auch wenn Mein Rostock sicherlich nicht sein stärkster Song ist, ist das, was er da macht und zelebriert ziemlich geil. Und auch mal cool, tatsächlich ein „Heimatlied“ beim BuViSoCo zu präsentieren. Ein schöner Song zum Zurücklehnen.

  1. Jupiter Jones – Plötzlich hält die Welt an

Der Refrain erinnert mich irgendwie ziemlich an PUR. Eigentlich ganz cool, so typische Radiomusik, die keinem weh tut und sich nett anhört. Kann man mal hören, aber wenn ich PUR hören möchte, höre ich doch lieber PUR J

  1. Miss Platnum – Hüftgold

Ich kannte Miss Platnum nur von der Lila Wolken EP und fand ihren Part im Titelsong eigentlich ziemlich grausig. Umso überraschter bin ich jetzt, dass das, was sie da macht, ziemlich cool klingt. Über ihr Outfit kann man streiten, aber Miss Platnum singt gut, der Song gefällt mir und hat einen gewissen Drive. Gut!

  1. Revolverheld – Lass uns gehen

Jep. Gehen möchte ich. Die Jungs machen ihren Job ganz anständig, aber ich find den Song – und auch die ganze Band – einfach nur doof. Sorry, nicht meins. Auch wenn sie anständig performen und Stimmung machen können.

Zum Ergebnis

Wie sooft haben meine Favoriten eher unterdurchschnittlich abgeschnitten. In den vorderen Rängen findet sich viel von dem Kuschelpop, Revolverheld haben extrem überlegen gewonnen – objektiv und unvoreingenommen betrachtet, vielleicht auch nicht zu Unrecht – aber ich kann mich mit denen einfach nicht anfreunden. Jupiter Jones vorne, Teesy fand ich genauso langweilig – und Marteria „nur“ auf Platz 4 – da hätte ich fast mit mehr gerechnet. Andreas Bourani nur auf 6 – und dann kämen meine drei Anwärter auf das Treppchen: Max Mutzke, Maxim und OK KID hätte ich wahrscheinlich auf 1-3 gewählt, die fand ich neben Marteria und Miss Platnum am stärksten. Letztgenannte kam über einen zwölften Platz nicht heraus – für mich unverständlich, denn unter allen Popsongs war ihrer noch am innovativsten – genauso wie der von Kitty Kat, der es zusammen mit Sebastien Hackel auf den letzten Platz gebracht hat. Sierra Kidd wurde auf Twitter ziemlich gehypt und ist – wenn ich das richtig mitgekommen habe – bei den Teenies total angesagt, aber es überwog wohl mein Eindruck der Unausgegorenheit. Die Inglebirds landen zu Recht weit hinten. Es ist wie bei MC Fitti – der Gag trägt eigentlich nur bis kurz nach der ersten Hook – und hier im zweiten Jahr ist damit nichts mehr zu holen.

Schade auch um Hessen. Immerhin so gut wie seit 2009 nicht mehr, aber der Song war echt klasse und nicht so seltsam wie die der letzten Jahre (Sing um dein Leben? Cris Cosmo?) – der hätte denke ich mehr echt verdient gehabt.

Was bleibt also von dem Abend übrig? Für mich zwei, drei Neuentdeckungen und viele abschreckende Beispiele. Und die Hoffnung, dass im nächsten Jahr vielleicht mal wieder eine rockige Kapelle da auftreten darf? Lord of the Lost für Hamburg? Equilibrium für Bayern? Von mir aus auch Grave Digger – irgendwas, was den Pop-Rap-Einheitsbrei mal auflockert – Schade, das war früher besser, als mal ein Subway to Sally gewann, als Down Below auftreten durften, als Apocalyptica spielten oder als Rage gerockt haben. Raab, hol dir mehr Rock auf die Bühne!

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